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Alles ändert sich – der Beweis 80% der Kriegsschäden und Opfer lassen sich auf den Einsatz von KI und Drohnen zurück führen

Was das für unsere Wirtschaft bedeutet

Nicht auf Panzer. Nicht auf Artillerie. Auf Technologie, die vor drei Jahren noch als „interessantes Experiment“ galt.

Der Krieg zeigt uns täglich, in Echtzeit, was passiert, wenn Disruption auf Leben und Tod trifft. Und während wir in unseren Meetingräumen noch über KI-Strategien diskutieren, werden im Donbass jeden Tag technologische Durchbrüche erzielt – nicht im Labor, sondern unter Beschuss.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Die Aussage klingt provokant, lässt sich aber durch mehrere unabhängige Quellen belegen:

  • Gundbert Scherf vom Rüstungsunternehmen Helsing gibt an, dass 80 bis 90 Prozent der Verluste auf beiden Seiten auf Drohnen zurückzuführen sind
  • Der Deutsche Reservistenverband berichtet, dass Drohnen im vierten Kriegsjahr für ungefähr 80 Prozent aller menschlichen und materiellen Verluste verantwortlich sind
  • Das Royal United Services Institute (RUSI) kommt in einer Studie zum Ergebnis, dass ukrainische taktische Drohnen für etwa zwei Drittel der russischen Verluste verantwortlich sind

Die konkreten Zahlen schwanken zwischen 70-90%, aber die Tendenz ist eindeutig: Wir erleben eine fundamentale Transformation der Kriegsführung – und damit einen Vorgeschmack auf die Disruption, die auf die Wirtschaft zukommt.

Technologie trifft auf Realität

Die technische Entwicklung ist atemberaubend:

Russische KI-Drohnen: 80% Trefferquote auf 20km Distanz
Ukrainische Drohnenproduktion: Von 0 auf 200.000 Einheiten in zwei Jahren
Taktiken: Was gestern funktionierte, ist heute obsolet

Innovation unter Extrembedingungen: Was Matthias Lehna aus der Ukraine berichtet

In einem faszinierenden Interview mit Christoph Magnussen im Podcast „AI to the DNA“ gibt Matthias Lehna von Quantum Systems einen ungefilterten Einblick in die Realität der Drohnenkriegsführung. Lehna, ehemaliger Bundeswehr-Offizier mit 13 Jahren Erfahrung, pendelt heute regelmäßig zwischen Berlin und Kyjiw und ist verantwortlich für Business Development, Government Relations und das Ukraine-Geschäft bei Quantum Systems.

Die Illusion vom perfekten Lab-Prototypen

Seine Kernaussage: Die Ukraine ist das eigentliche Innovationslabor für unbemannte Systeme. Nicht das Silicon Valley. Nicht die Forschungslabore westlicher Universitäten. Sondern der Donbass.

Warum? Weil hier Technologie nicht in kontrollierten Umgebungen getestet wird, sondern unter Bedingungen, die alle theoretischen Annahmen über den Haufen werfen:

  • GPS funktioniert nicht mehr zuverlässig – elektronische Kriegsführung macht GNSS zu einer „längst keine verlässliche Größe mehr“
  • Firmen bauen über die Feiertage Antennen-Setups und Redundanzsysteme um, damit ihre Drohnen überhaupt noch in einem GNSS-denied Environment fliegen können
  • KI muss „on edge“ funktionieren – es gibt keine Cloud, keine stabile Verbindung, nur das, was die Drohne selbst kann
  • Kurze Iterationszyklen schlagen perfekte Entwicklung – wenn Entwickler in Kyjiw während eines Air Raids mit dem Laptop in den Shelter laufen und ihr Code darüber entscheidet, ob ein System morgen einsatzfähig ist

Trotzdem gilt: „Better material“ schlägt „mehr KI“

Eine der überraschendsten Erkenntnisse: Im Feld ist oft nicht „mehr KI“ die Antwort, sondern schlicht „better material“. Die Grundlagen müssen stimmen – Komponenten, die unter Stress funktionieren, Systeme, die wirklich skalieren, Ausbildungskonzepte, die für jeden funktionieren, nicht nur für Tech-Enthusiasten.

Lehna betont: „The future is unmanned“ ist vor allem eine Frage von Skalierung, Verfügbarkeit und Human-in-the-Loop. Nicht von autonomen Killer-Robotern, sondern von Millionen Low-Cost-Multicoptern und hochspezialisierten Aufklärungsdrohnen, die Menschen befähigen, bessere Entscheidungen zu treffen.

Europas Position zwischen Washington und Donbass

Ein kritischer Punkt: Europa hat einen „Sweet Spot“ zwischen Washington und Donbass, den weder die USA noch die Ukraine so nutzen können. Aber wir stehen uns selbst im Weg – durch eine Mischung aus:

  • Risikoaversion
  • Regulatorische Hürden
  • Ausgelagerter Produktion

Gleichzeitig verändert sich die Motivation junger Ingenieure: Sie gehen heute mit ganz anderem Purpose in Dual-Use-Firmen, weil sie verstehen, dass ihre Arbeit unmittelbare Konsequenzen hat. Mir wurde das wieder mal verdeutlicht, als ich dieses Interview von Christoph Magnussen sah. Es erinnerte mich an zurück liegende Diskussionen an der Bundeswehr Universität in München mit den Forschern und Start-up Unternehmern dort. Das Interview macht einem klar, wie der Ukraine Krieg das Leben im Schnellgang verändern wird, da stellt sich die Frage, sind wir dabei oder zu spät:

Zum vollständigen Interview: „AI to the DNA“ mit Matthias Lehna

Was das für die Wirtschaft bedeutet

Und wir in unseren Unternehmen?

Ja, viele experimentieren bereits mit ChatGPT. Aber meist ohne Strategie, ohne Grundverständnis, ohne Qualitätsbewusstsein. Wir sind wie Armeen, die mit veralteten Taktiken in einen Krieg ziehen.

Die Konsequenzen sehen wir schon jetzt:

Fehlende Datenqualität wird ignoriert:

  • KI-Outputs basieren auf schlechten Daten – niemand hinterfragt es
  • Entscheidungen werden auf Basis von Halluzinationen getroffen
  • Es fehlt das Bewusstsein, dass „Garbage in, Garbage out“ gerade bei KI exponentiell wirkt

Jeder Fehlschlag untergräbt das Vertrauen:

  • Erste Pilotprojekte scheitern nicht an der Technologie, sondern an fehlender Business-Analyse-Kompetenz
  • Teams haben keine Vorstellung davon, wie sie KI sinnvoll in ihre Prozesse integrieren
  • Die Angst vor dem Neuen wird durch schlechte Erfahrungen noch verstärkt

Strukturierte Herangehensweise fehlt:

  • Es wird experimentiert ohne klare Ziele
  • Niemand definiert, was „Erfolg“ eigentlich bedeutet
  • Die Fachbereiche werden nicht befähigt, die richtigen Fragen zu stellen

Das eigentliche Problem: Es geht nicht ums Tool

Die Ukraine zeigt uns: Technologie ist nur so gut wie das Fundament, auf dem sie steht. Im Krieg sind das robuste Systeme, schnelle Lernzyklen und Teams, die unter Druck funktionieren.

In der Wirtschaft sind es:

Business-Analyse-Kompetenz in den Fachbereichen – Menschen, die verstehen, welche Probleme wirklich gelöst werden müssen
Bewusstsein für Datenqualität – die Erkenntnis, dass KI nur so gut ist wie die Daten, mit denen sie arbeitet
Strukturierte Herangehensweise – klare Methoden statt blindes Experimentieren
Mut zu Iterationen – kleine Schritte, schnelles Lernen, kontinuierliche Verbesserung

Genau wie Quantum Systems über die Feiertage Antennen-Setups umbaut, müssen Unternehmen bereit sein, ihre Prozesse, ihre Strukturen, ihre Denkweisen anzupassen – und zwar schnell.

Die unbequeme Wahrheit

Die Disruption ist bereits da. Die Frage ist nicht mehr „ob“, sondern „wer überlebt sie“.

Im Krieg zeigen russische Drohnen 80% Trefferquote auf 20 Kilometer. Die Ukraine baut in zwei Jahren eine Produktionskapazität von 200.000 Drohnen auf. Taktiken, die gestern funktionierten, sind heute wertlos.

In der Wirtschaft?

Die großen Beratungshäuser haben ihre KI-Abteilungen bereits massiv aufgebaut. Sie investieren Millionen in Expertise, Tools, Kapazitäten. Sie bereiten sich vor.

Und die kleinen und mittleren Unternehmen? Die Fachbereiche? Zu oft diskutieren sie noch, ob sie ChatGPT nutzen sollen.

Was jetzt zu tun ist

Im Krieg gibt es keine zweite Chance für „später mal richtig machen“. In der Wirtschaft gilt das leider auch!

Wer heute ohne das Grundgerüst experimentiert, zahlt morgen den Preis.

Die gute Nachricht: Es ist noch nicht zu spät. Aber die Zeit läuft. Jetzt ist der Moment, um:

  1. Die Basics zu schaffen: Business-Analyse-Kompetenz aufbauen, bevor die ersten KI-Projekte starten
  2. Datenqualität ernst nehmen: Verstehen, dass KI nur so gut ist wie das, was man ihr füttert
  3. Strukturiert vorzugehen: Methoden etablieren, die funktionieren – nicht nur Tools sammeln
  4. Die Angst zu nehmen: Durch Wissen, durch Verstehen, durch kontrollierte erste Schritte

Matthias Lehna beschreibt im Interview, wie sich eine Organisation verändert, wenn Entwickler in Kyjiw während eines Air Raids in den Shelter laufen – und ihre Kollegen in Deutschland wissen, dass ihr Code darüber entscheidet, ob ein System morgen einsatzfähig ist.

Diese Art von Dringlichkeit, diese Art von Purpose müssen wir nicht durch einen Krieg lernen. Aber wir sollten aus den Lehren lernen, die er uns gibt.

Die Frage bleibt

Von der Frontlinie ins Office: Was heute im Krieg funktioniert, kommt morgen auf Ihren Schreibtisch

Während ich diesen Artikel schreibe, entwickelt sich eine faszinierende Parallele: Was in der Ukraine unter Lebensgefahr mit Drohnen und KI erprobt wird, manifestiert sich zeitgleich in unseren Büros – nur merken wir es noch nicht.

Ein aktuelles Beispiel: OpenClaude (auch „OpenClaw“ genannt). Ein Tool, das in wenigen Tagen Funktionen hinzubekommen hat, mit denen es bereits völlig autonom arbeiten kann – wie ein Angestellter. Keine Science Fiction, keine ferne Zukunft. Jetzt. Heute.

Die Parallele ist frappierend:

  • Im Krieg: Drohnen mit KI on edge, die autonom Entscheidungen treffen, 80% Trefferquote
  • Im Office: KI-Agenten, die autonom Aufgaben übernehmen, Prozesse steuern, Entscheidungen vorbereiten
  • Im Krieg: Kurze Iterationszyklen, weil jede Verzögerung Leben kostet
  • Im Office: Wöchentliche Updates, neue Features, die ganze Workflows verändern
  • Im Krieg: Teams, die über Nacht Systeme umbauen, weil GPS ausfällt
  • Im Office: Tools, die über Nacht neue Fähigkeiten bekommen, die Arbeitsweisen obsolet machen

Der Unterschied? Im Krieg ist der Druck offensichtlich. Im Office merken viele Unternehmen noch nicht, dass sie bereits mittendrin sind in dieser Transformation.

Matthias Lehna beschreibt, wie Entwickler in Kyiv während eines Air Raids in den Shelter laufen – ihr Code entscheidet über Leben und Tod. Gleichzeitig entwickeln Programmierer in San Francisco, Berlin oder anderswo Code, der darüber entscheidet, welche Unternehmen überleben und welche nicht.

Die Geschwindigkeit ist vergleichbar. Die Konsequenz auch.

Nur: Im Krieg weiß jeder, dass er sich anpassen muss oder untergeht. In der Wirtschaft wiegen sich viele noch in Sicherheit. „Wir schauen uns das mal an.“ „Wir warten ab, bis es ausgereift ist.“ „Wir sind noch nicht so weit.“

Während sie das sagen, arbeiten andere bereits mit KI-Agenten, die autonom:

  • E-Mails bearbeiten
  • Recherchen durchführen
  • Berichte erstellen
  • Datenanalysen fahren
  • Kundenanfragen beantworten
  • Prozesse optimieren

Nicht in einem Jahr. Nicht „bald“. Jetzt.

Die Frage ist also nicht mehr, ob diese Technologie kommt. Sie ist da. Die Frage ist: Wer nutzt sie – und wer schaut zu?


Quellen:


In den kommenden Tagen mehr zu einer anderen spannenden Frage in diesem Zusammenhang:

Wie sollen kleinere Beratungen gegen die KI-Giganten der großen Häuser bestehen?

Mit OpenClaw oder OpenClaude könnten wir hier eine gute Ausgangsbasis haben!