KI verändert den Arbeitsmarkt – aber anders, als viele erwarten
Gestern am 5.3. hat Anthropic einen AI Exposure Index veröffentlicht. Die Grafik zeigt, welche Berufe aktuell am stärksten von KI betroffen sind.
Der zentrale Punkt:
Zwischen dem, was KI theoretisch automatisieren könnte, und dem, was Unternehmen heute tatsächlich einsetzen, liegt noch eine enorme Lücke.
Wir stehen viel früher in dieser Entwicklung, als viele glauben.
Die Veränderung passiert – nur leiser als erwartet.
Der „leise Effekt“ im Arbeitsmarkt
Unternehmen entlassen aktuell nicht massenhaft Mitarbeiter.
Sie stellen einfach weniger neue ein, genau das gibt die Zahl der offenen Stellen wieder, die geradezu in sich zusammen gefallen ist.
Das erste klare Signal zeigt sich bei Berufseinsteigern.
In den Berufen mit hoher KI-Exposition ist die Einstellung von 22- bis 25-Jährigen deutlich zurückgegangen.
Parallel meldet etwa Bloomberg, aber auch ADP der US Gehaltsabrechner:
Die Zahl der offenen Stellen für White-Collar-Jobs liegt auf dem niedrigsten Stand seit 2015.
Nur noch 1,6 offene Stellen pro 100 Beschäftigte.
Zufall? Wahrscheinlich nicht. Die Wirtschaft brummt nach wie vor, diese Zahlen stammen vor dem Einfluss der aktuellen Situation mit dem Krieg im Iran.
Welche Jobs aktuell am stärksten betroffen sind
Ganz vorne:
- Programmierer – etwa 75 % der Aufgaben könnten durch KI unterstützt oder automatisiert werden
- Customer Service
- Datenerfassung / Sachbearbeitung
Auffällig- handwerkliche oder praktische Berufe wie: - Köche
- Mechaniker
- Barkeeper
zeigen aktuell nahezu keine KI-Exposition.
Gerade heute Morgen sehe ich eine Überschrift in der SZ – Hat der Bau wieder Zukunft?
Die Jungen wollen anscheinend wieder Handwerksberufe erlernen. Das wird auf die Entwicklung von KI im Berufsalltag geschoben (ich schließe mich dieser Herleitung nicht an, aber sei’s drum, es ist eine nicht weg zu leugnende Entwicklung, warum auch immer …)
Die Entwicklung betrifft momentan also vor allem klassische Wissensarbeit.
Was Führungskräfte daraus ableiten sollten
Das eigentliche Risiko liegt derzeit nicht bei bestehenden Mitarbeitern.
Es trifft vor allem die nächste Generation von Wissensarbeitern:
- Berufseinsteiger
- Junior-Analysten
- junge Entwickler
- Trainees
Der Einstieg in diese Karrieren wird schwieriger.
Der strategische Punkt
Organisationen stehen jetzt vor einer Wahl:
- KI nur als Effizienzwerkzeug nutzen
- oder Menschen gemeinsam mit KI weiterentwickeln
Unternehmen, die KI und Kompetenzaufbau gleichzeitig organisieren, werden einen klaren Wettbewerbsvorteil haben.
Heute haben wir noch die Zeit, das Zeitfenster, umzusteuern. Die aktuellen Daten legen allerdings nahe:
Es wird nicht lange offen bleiben.