Nachlese zu Diskussionen zur Abendveranstaltung: KI im Mittelstand
Nach der sehr lebhaften Abendveranstaltung zum Thema KI im Mittelstand – organisiert vom BVMW gemeinsam mit uns von Piquano, gestern Abend in Hamburg – lasse ich die Gespräche noch einmal Revue passieren.
Wie der Mittelstand künstliche Intelligenz praktisch nutzt
Gastgeber BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft

Drei Fragen lassen mir nun im Nachgang keine Ruhe
1. Datensouveränität in einer neuen geopolitischen Realität
Der sich abzeichnende Einfluss des Trump-Lagers auf US-Tech-Konzerne – symbolisiert durch Deals wie den aktuell durchgeführten Verkauf von CNN an Larry Ellison & family – macht deutlich: Die Abhängigkeit von US-dominierten Cloud-Infrastrukturen ist kein abstraktes Risiko mehr. Mittelständler brauchen jetzt eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wo liegen unsere Daten? Wer hat im Zweifel Zugriff oder verwehrt uns diesen?
Kurzum: Europäische Alternativen und hybride Architekturen mit Open Source sind keine Nice-to-haves mehr.
2. Blockadehaltung – und wie wir sie nicht unterschätzen sollten
KI-Projekte werden scheitern, denn wir bewegen uns im Neuland. Falsche Informationen und Daten führen zu falschen Entscheidungen, Halluzinationen der Agenten werden passieren. Sicherheitslücken werden aufgedeckt. Das ist keine Schwarzmalerei, das ist Realität jeder neuen Technologiewelle.
Die entscheidende Frage ist: Wer gestaltet dann die Narrative? Wer ist vorbereitet, sachlich zu differenzieren zwischen einem schlecht gewählten Use Case und einem grundsätzlichen Problem? Change Management, klare Kommunikationsstrategien und ein realistisches Erwartungsmanagement sind die eigentlichen Schutzwälle gegen die unvermeidliche Gegenbewegung.
3. Was bedeutet KI für uns als Berater und Interim Manager – und wie halten wir gegen?
Die großen Berater wie Accenture, Arthur D. Little, BCG, Deloitte, Roland Berger haben bereits ihre AI departments mit mehreren Tausend Experten/Ingenieuren aufgebaut, kaufen Lizenzen en masse und trainieren proprietäre Modelle. Was tut der unabhängige Berater?
Meine ganz spontane Antwort: Wir Berater und Interim Manager bauen unsere eigene community – eigenes Kooperativ!
Die Idee: Eine gemeinsame KI-Plattform – ausschließlich für geprüfte Berater, DSGVO-konform, mit konsequenter Anonymisierung hochgeladener Inhalte. Jeder Berater hat seinen eigenen geschützten Space, stellt aber gleichzeitig der Community Lernmaterial zur Verfügung: Checklisten, Vorlagen, Excel-Templates, Prozessdokumente. Der Agent lernt kollektiv – und wird damit besser als das, was jeder Einzelne alleine trainieren könnte.
Qualität wird durch ein Scoring-Modell gesichert: Wer nur konsumiert, bekommt weniger. Wer beiträgt, bekommt mehr. Zulassung nur nach Prüfung – kein offenes Forum, sondern eine kuratierte Expertengemeinschaft.
Methoden-Know-how – etwa Vorgehensweisen à la McKinsey oder Bain – wird über zugekaufte Frameworks und Vorlagen in den Agenten integriert, sodass auch ein Einstieg mit solider Methodenbasis möglich ist.
Und wer will, kann eigene spezialisierte Agenten trainieren und diese anderen Beratern zur Verfügung stellen – oder vermieten. Trainings inklusive.
Das Ziel: Die Skalierungsvorteile der Großen – ohne deren Overhead, ohne deren Preismodell, aber mit europäischem Datenschutz als echtem Differenzierungsmerkmal.
Ob das funktioniert? Das werden wir herausfinden. Aber die Alternative – abwarten und zuschauen – ist keine.
Ich diskutiere das Thema gerade mit alten Kollegen und White Label Anbietern – aktuell lässt mich das Thema nicht los, ich werde hier also sicherlich demnächst ein update dazu geben!
Wer hat etwas dazu beizutragen? Gerne mit mir auf LN diskutieren!